Nina Noodt

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Die Moderevolution

Immer schneller, immer billiger? In Zeiten von Fast Fashion fordert die Bewegung Fashion Revolution mehr Transparenz, Fairness und Nachhaltigkeit in der Modeindustrie.

Nina Noodt

Am 24. April 2013 stürzt in Bangladesch das Fabrikgebäude Rana Plaza ein. In den Trümmern sterben mehr als 1.100 Menschen, 2.500 weitere werden verletzt. Die meisten von ihnen sind junge Textilarbeiterinnen, die trotz der Risse, die das Gebäude schon am Tag zuvor aufwies, zum Arbeiten gezwungen wurden, um Kleidung für den Westen zu produzieren.

Längst wird Mode nicht mehr im Rhythmus der Frühling/Sommer- und Herbst/Winter-Kollektionen angeboten und produziert. Labels reagieren blitzschnell auf Kundenwünsche und was letzte Woche noch auf dem Laufsteg zu sehen war, hängt heute schon bei H&M, Mango und Co. im Schaufenster. Kleidung ist ein Wegwerfprodukt geworden, das nicht mehr ge-, sondern verbraucht wird, bevor man es ein paar Tage später durch das nächste Teil ersetzt. Und das Ganze doch bitte zu erschwinglichen Preisen! Deshalb wird gespart, an der Umwelt und am Menschen. Der Einsturz von Rana Plaza ist die blutige Konsequenz der Fast Fashion-Industrie.

Zum Jahrestag des Fabrikeinsturzes macht die britische Non-Profit-Organisation <a href="http://fashionrevolution.org/" target="_blank">Fashion Revolution</a> auf die Undurchsichtigkeit und die teils katastrophalen Zustände der Modeindustrie aufmerksam. Während der Fashion Revolution Week vom 24. bis 30. April sind deshalb Menschen auf der ganzen Welt dazu aufgerufen, ihre Kleidung auf links zu tragen und ein Foto vom „Made in“-Schildchen zusammen mit einer Verlinkung des Labels und dem Hashtag #whomademyclothes in sozialen Netzwerken zu teilen. Die Aktion soll Modeunternehmen dazu bringen, Verantwortung zu übernehmen und für Kunden transparent zu machen, von wem und unter welchen Bedingungen bei ihnen Kleidung produziert wird.

„Money, Fashion, Power“, das diesjährige Motto der Fashion Revolution Week, macht jedoch auch auf den Einfluss der Kunden auf die Industrie aufmerksam. Der kann nicht nur genutzt werden, um mit der Frage, wer unsere Kleidung produziert hat, Druck auf Modelabels auszuüben und Transparenz zu fordern; vor allem besteht unsere Aufgabe als Konsumenten darin, zu erkennen, dass unsere Kaufentscheidungen Kettenreaktionen auslösen und sich weltweit auf Mensch und Umwelt auswirken. Das gibt uns die Macht, Unternehmen und Labels zu unterstützen, bei denen Fairness und Nachhaltigkeit großgeschrieben wird. Und wenn wir ehrlich sind, ist uns allen klar, dass bei der Produktion von Billigkleidung gesundheitsschädliche Chemikalien eingesetzt werden und dass bei den Preisen der Fast Fashion-Industrie bei Baumwollbauern oder Näherinnen nicht genug ankommen kann, um davon zu leben. Doch viel zu selten beeinflusst dieses Wissen um soziale und ökologische Konsequenzen tatsächlich unser Kaufverhalten. Solange wir Jeans für 15 € kaufen, solange wir die Bluse, die uns im Laden vom Bügel fällt, einfach auf dem Boden liegen lassen, solange wir akzeptieren, dass Menschen für Löhne, die nicht zum Leben reichen, ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, wird sich die Modeindustrie nicht ändern.

Gleichzeitig will die Fashion Revolution Week auch auf diejenigen aufmerksam machen, die bereits mit gutem Beispiel vorangehen. So kann man sich bei Labels wie <a href="http://peopletree.co.uk/features/fashion-revolution" target="_blank">People Tree</a> oder <a href="http://hessnatur.com/magazin/fashion-revolution-day-2017/" target="_blank">Hessnatur</a> ansehen, wer dort an der Produktion von Kleidung beteiligt ist.

Passend zur Fashion Revolution Week ist The True Cost zurzeit bei Netflix verfügbar. Der Dokumentarfilm beleuchtet die Auswirkungen von Fast Fashion für Mensch und Umwelt, zeigt mit positiven Beispielen aber auch, dass es anders geht. Der <a href="http://fashionrevolution.org/wp-content/uploads/2014/04/FR_GetInvolved.pdf" target="_blank">„Guide to Getting Involved“ von Fashion Revolution</a> bietet außerdem Ideen und Anregungen für alle, die selbst als Teil der Moderevolution aktiv werden möchten.