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Mit Außerirdischen sprechen

Bei dem Versuch, Außerirdische zu verstehen, entdeckt Amy Adams in Arrival die Macht von Sprache und Kommunikation.

Nina Noodt

In Denis Villeneuves neustem Film Arrival landen Außerirdische auf der Erde. Ein Szenario, das wir so oder so ähnlich schon öfter gesehen haben. Doch etwas ist hier anders. Diese Außerirdischen greifen die Erde und ihre Bewohner nicht an. Im Gegenteil: In eiförmigen, steingrauen Raumschiffen schweben sie an zwölf verschiedenen Orten einige Meter über der Erde, verlassen ihre Raumschiffe nicht, senden keine Strahlungen aus. Was ist ihre Absicht?

In den USA versucht Colonel Weber (Forest Whitaker) im Auftrag der Regierung ein Team zu bilden, das genau das herausfinden soll. Er bittet daher die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) sowie den Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) um Hilfe. Schon bald treten die beiden den Außerirdischen in ihrem Raumschiff gegenüber: Sie sehen aus wie eine Mischung aus Hand und Oktopus, ihre Sprache ähnelt dem Gesang von Walen und ihre Schrift, die sie mit ihren Füßen an die Glaswand werfen, die sie von den Wissenschaftlern trennt, erinnert an verzierte Tintenkreise. Louise wird schnell klar, dass die einzige Chance, die Sprache der „Heptapoden“ zu entschlüsseln und damit ihre Ziele ausfindig zu machen, darin besteht, eine persönliche Beziehung zu ihnen aufzubauen. Das Vorgehen birgt viele Risiken und nicht zuletzt muss Louise ihre eigenen Ängste und Zweifel bewältigen. Doch sie und Ian wagen das Experiment. Bald wird allerdings klar, dass ihre Zeit begrenzt ist und dass bei dem Projekt nicht weniger als das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht.

Arrival stellt die Schönheit und die Komplexität von Sprache in den Vordergrund. Die einzelnen Schritte, die nötig sind, um eine unbekannte Sprache zu entschlüsseln, die Zeit, die dieser Prozess in Anspruch nimmt, die Erfolge, aber auch die Fallen und Hindernisse werden durch Louises mühevolle Arbeit illustriert. Gleichzeitig zeigt der Film, welche Kraft Sprache hat: Die Idee, die hinter der schwierigen Mission steckt, ist nämlich die, dass Sprache determiniert, wer wir sind und wie wir die Dinge um uns herum wahrnehmen und bewerten. Dieser Gedanke spielt im weiteren Verlauf eine Schlüsselrolle. Denn nur durch das Verstehen der Sprache der Heptapoden kann Louise es schaffen, auch ihre Denkart und Wahrnehmungen nachzuvollziehen und so das große Rätsel zu lösen. Villeneuves Film macht deutlich: Sprache und Kommunikation – das sind die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens. Beziehungen und Gesellschaften stehen auf gewissen Pfeilern, die ins Wanken geraten können, wenn Kommunikation nicht oder nicht richtig funktioniert. Insofern verknüpft Arrival sprach- und kulturwissenschaftliche Konzepte mit gesellschaftlichen und politischen Dimensionen und plädiert für eine Kommunikationskultur, die von Offenheit und gegenseitigem Anhören und Verstehen geprägt ist, insbesondere in Zeiten von Konflikten.

Nicht zuletzt ist es Amy Adams‘ schauspielerische Leistung, die den Film großartig macht; sie wirkt echt und macht Emotionen greifbar. In einer starken, detailreichen Storyline mit eindrucksvollen Bildern überzeugt Adams von Anfang bis Ende als starke Frau, die ihre eigenen Ängste für das größere Wohl überwindet.