Kevin Baumann

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10 Songs, die Du gehört haben musst, bevor Du stirbst!

Vom "Lied der Erlösung" bis zum "Hallelujah"

Kevin Baumann

1. Bob Dylan – Knockin’ On Heaven’s Door

Schon lange vor Til Schweiger und Moritz Bleibtreu klopfte ein ganz anderer an Petrus’ Pforte und unterstrich mit diesem Song, warum er einer der besten, wenn nicht der beste Singer/Songwriter aller Zeiten ist. Bob Dylan gilt als die Stimme einer Generation und das, obwohl er neben seiner Musik fast nie seine Stimme gegen oder für etwas erhob. Im Gegenteil – er scheut sogar bis heute jegliche Öffentlichkeitsarbeit und Auftritte auf Veranstaltungen, zu denen er eingeladen wird. Sein Management gab zwar offiziell bekannt, dass der Mundharmonika-Virtuose den Literaturnobelpreis 2016 annehme, ob er allerdings persönlich auf der Preisverleihung auftauchen, geschweige denn ein paar Worte sagen werde, bleibt mehr als fragwürdig. Robert Zimmerman, wie Bob mit bürgerlichem Namen heißt, inspiriert bis heute unzählige Musiker. Musiker, die wie Bob Dylan selbst bereits Legendenstatus erreicht haben, wie beispielsweise ein gewisser Tom Petty, mit dem er 1986 gemeinsam “Knockin’ On Heaven’s Door” performte.

2. Bruce Springsteen – I’m On Fire

Nicht nur Will Griggs ist “on fire”, auch der Boss steht immer noch hell in Flammen, und das schon eine ganze Weile. 32 Jahre vor dem Fangesang zur Fußball-Europameisterschaft 2016 schrieb Bruce Springsteen dieses Lied für ein “little girl”, um ihr darin seine Liebe zu gestehen. So würden es zumindest die Romantiker unter uns formulieren. In Wirklichkeit handelt der Song von einfachen Trieben, von Lust, von sexuellem Verlangen, von einem “bad desire”. Aber der Altmeisters der Riff-Klampfer weiß eben, welche Worte man(n) wählen und wie man sie verpacken muss, damit die Frauenwelt dahinschmelzt. Ganz davon abgesehen beweist der Boss, dass es nicht viele Akkorde, nicht viele Instrumente und schon gar nicht viele Worte braucht, um einen Meilenstein der Musikgeschichte zu schaffen.

3. Nirvana – Smells Like Teen Spirit

Die Geschichte der berühmten Worte, die nach einer durchzechten Nacht die Wand über Kurt Cobains Bett zierten, ist gefühlt älter als die Bandgeschichte der Grunge-Götter aus Washington State selbst. Sinnbildlich stehen aber genau diese Worte für jene Jugendbewegung, die rund um Seattle ihrem Frust, ihrer Langeweile und ihrem Würgereiz, ausgelöst durch die Anfang der 90er dominante Pop-Musik, Luft machten. Endlich was anderes! Endlich jemand, der uns versteht! Endlich ein Sound, mit dem sich die juvenilen Leidensgenossen identifizieren konnten. Grunge ist natürlich mehr als nur Nirvana, aber “Smells Like Teen Spirit” ist und bleibt auf alle Zeit dessen Hymne, die ihren internationalen Erfolg mehr als verdient.

4. Bob Marley – No Woman, No Cry

Hast du keine Frau, hast du keinen Grund zu weinen. Oder kurz gesagt: Bros before hoes! Die meisten glauben nach wie vor, das sei Bob Marleys Message in “No Woman, No Cry”. Aber wieso sollte die größte Reggae-Ikone aller Zeiten, die auf der Bühne und in ihren Songs immerzu Frieden, Respekt und Liebe thematisiert und diese Liebe auch auf der ganzen Welt praktiziert (offiziell soll er elf Kinder in die Welt gesetzt haben, die Dunkelziffer liegt wohl weit höher), auf einmal schlecht von seinem doch so geliebten weiblichen Wesen singen? Er tut es nicht. Im Original singt Robert Nesta “No Woman, Nuh Cry”, was nichts anderes bedeutet als “No Woman, Don’t Cry”. Damit hat die jamaikanische Legende vielmehr einen klassischen Lovesong geschaffen, den er seiner Frau Rita widmet. Weine nicht, liebe Rita, dein Bob ist zwar auf Weltreise, kommt aber schon bald zurück und lässt dich niemals allein. Und auf einmal macht auch die Zeile “Little darlin’, don’t shed no tears” Sinn…

5. Leonard Cohen – Hallelujah

Er wollte mindestens 120 Jahre alt werden, denn er hatte noch einiges vor. Nun ist Leonard Cohen, kurz nachdem er sein 14. Studioalbum “You Want It Darker” veröffentlichte, im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein “Hallelujah” wurde bis dato eine Fantastilliarde Mal gecovert und doch immer noch nicht tot gespielt. Bob Dylan, Jeff Buckley, Rufus Wainwright, John Cale und Bon Jovi – um nur einige wenige zu nennen – haben bereits ihre Interpretationen der unangefochtenen Tränendrüsen-Ballade geliefert. Und es werden auch noch eine Fantastilliarde weitere namhafte (und weniger namhafte) Künstler sich Leonard Cohens Werk annehmen. Dass auch Helene Fischer leider nicht ganz erfolglos ihr eigenes Hallelujah-Kapitel geschrieben hat, bleibt an dieser Stelle besser unkommentiert.

6. Tom Petty & The Heartbreakers - Free Fallin’

E-A-A/E-B – manchmal reichen auch drei einfache Akkorde. Tom Petty schrieb “Free Fallin’” nach eigener Aussage in wenigen Minuten am Keyboard. Als ihn sein damaliger Produzent Jeff Lynne dazu aufforderte, irgendwas zur Akkordfolge zu singen, sang er tatsächlich einfach irgendwas: “She’s a good girl, loves her mama, loves Jesus and America too.” Beide lachten. Gleichzeitig war ihnen klar, dass hier gerade etwas Großes geschaffen wurde. Und so kommt es, dass diese ersten Zeilen, die ersten Worte, die Tom Petty in den Kopf schossen, bis heute in all unseren Köpfen fest verankert sind. Der Rock and Roll Hall of Famer schafft eben zeitlose Musik. Gerne auch mal mit nur drei Akkorden. Seine Songs sind und bleiben von Bedeutung. Jahrzehntelang. Oder warum sollte man sonst einen damals 57-Jährigen für die Halbzeit-Show des 42. Super Bowls buchen, damit er ein Lied spielt, das schon 20 Jahre alt ist?

7. Johnny Cash – Hurt

Bis heute, ohne Zweifel, der traurigste Song und vor allem das traurigste Musikvideo aller Zeiten. Ohne Trent Reznor, der “Hurt” bereits 1994 geschrieben und als Nine Inch Nails veröffentlicht hat, zu Nahe treten zu wollen, hat Johnny Cash mit seinem Cover knapp zehn Jahre später das erreicht, was dem Original leider fehlt. Was das ist? Man muss gar nicht zu viele Worte darüber verlieren. Wer das Video kennt oder es spätestens jetzt anschaut, wird es für sich selbst beantworten können. Ein Musikvideo, ein Lied, das in knapp vier Minuten eine Emotion schafft, die unzählige Spielfilme in zwei Stunden nicht schaffen. Rick Rubin, der Produzent des Songs, bezeichnet diesen als “historisches Dokument”. Es ist der Schlussakkord im Leben des Johnny Cash, der sieben Monate nach dem Videodreh zu “Hurt” im Alter von 71 Jahren starb.

8. The Beatles – Come Together

Wie wichtig und einflussreich dieser Song der Beatles ist, zeigen schon allein die Namen der Künstler, die ihn gecovert haben: von den Rolling Stones, Aerosmith, Bruce Springsteen und Axl Rose über Michael Jackson, Tina Turner und Lady Gaga bis hin zu Joe Cocker, Tom Jones und den Arctic Monkeys – die Liste ist kilometerlang und das völlig zu Recht. 47 Jahre und drei Generationen später hat der Opener des Albums “Abbey Road” immer noch eine mindestens genauso große Bedeutung. Und das obwohl oder gerade weil Zeilen wie “He got joo joo eyeball, he one holy roller” oder “One and one and one is three” nicht ganz so viel Sinn zu ergeben scheinen. John Lennon selbst beschrieb die “Come Together”-Lyrics als “gobbledygook”, was auf Deutsch so viel wie Kauderwelsch bedeutet. Recht hat er. Das ist die Kunst.

9. Joe Strummer – Redemption Song

Won’t you help to sing these songs of freedom? Das “Lied der Erlösung” wurde ursprünglich von Bob Marley geschrieben und 1980 veröffentlicht. Die Reggae-Ikone war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank und verstarb wenige Monate später. 22 Jahre danach sollte die britische Punk-Größe Joe Strummer dasselbe Schicksal ereilen. In den 80ern schrammelte sich der Mitbegründer von The Clash mit “London Calling” zur Weltberühmtheit. Später hatte der Frontmann mit der legendären Telecaster die Band The Mescaleros im Rücken. Live spielte er den “Redemption Song” unter anderem im Duett mit keinem geringeren als Johnny Cash. Um schließlich die eigene Erlösung zu besingen, nahm er seine Interpretation des “Redemption Song” auf – ohne Johnny Cash, ohne The Mescaleros, ohne Telecaster, sondern nur mit einer Akustik-Gitarre. Diese Stripped-Down-Version wurde 2003 posthum veröffentlicht.

10. The Rolling Stones – You Can’t Always Get What You Want

Du kannst nicht immer das bekommen, was Du willst… ABER: wenn Du dranbleibst, es immer weiter versuchst, wirst Du irgendwann merken: Du bekommst genau das, was Du brauchst. Danke, Sir Jagger! So einen Motivationsschub kann jeder gebrauchen! Mit Sicherheit auch der neue US-Präsident Donald Trump, der den Song im Rahmen seiner Präsidentschaftskampagne verwendet hat – natürlich gegen den Willen der Rolling Stones. Zitat: “The Rolling Stones do not endorse Donald Trump. You Can’t Always Get What You Want was used without the band’s permission.” Nachvollziehbar. Diese Hymne, deren Verse von Liebe, Drogen und Politik handeln, passt zwar bestimmt auch irgendwie in das Leben und Arbeiten des Donald T., trotzdem ist sie an anderer Stelle besser aufgehoben. So zum Beispiel als epische, musikalische Klammer von Anfangs- zu Schlussszene in Dave Duchovnys Kult-Serie “Californication” – vom berühmten Horn-Intro bis zum fulminanten Finale mit freundlicher Unterstützung des London Bach Choirs. Nochmals vielen Dank, Sir Jagger!