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Hört endlich auf, euren Hund wie ein Kind zu behandeln!

Und leckt um Himmels Willen nicht von der selben Kugel Eis!

Stefan Schreier

Haustiere sind in den allermeisten Fällen eine echte Bereicherung. Sie sind da, wenn ihr nach Hause kommt und ihr fühlt euch - wenn ihr Single seid - nicht so einsam und alleine. Ich persönlich kann wenig mit Kleintieren wie Hamstern, Wellensittichen oder Fischen anfangen, weshalb ich mich in diesem Text auf Hunde und Katzen beziehe. Es geht darum, dass speziell diese beiden Gattungen von Haustieren nicht die Kinder ersetzen können und sollen.

Ihr seid nicht ihre “Eltern”!

Ich bin selbst ein außerordentlich großer Hundefreund, da meine Eltern seit Jahren zwei Vierbeiner zu Hause haben. Ich freue mich, wenn ich sie nach mehreren Wochen oder Monaten besuche und sich Aron und Boomer wie ein Schnitzel freuen, mich zu sehen. Besonders bei Boomer geht mir dann immer das Herz auf, da vor allem er von der Bindung her eher “mein” Hund ist und meine Eltern für die Zeit, in der ich zu Besuch da bin, abgeschrieben sind.

Ich bin froh, dass meine Eltern die beiden Hunde nicht als ihre Kinder betrachten, denn sie haben ja schon welche, die zwar erwachsen sind und nicht mehr zu Hause wohnen, sich deswegen aber nicht berufen fühlen, einen Ersatz in Form ihrer vierbeinigen Mitbewohner zu schaffen.

Hunde sind Haustiere. Sie sind Weggefährten. Ich gehe auch gerne so weit, sie als Freunde zu bezeichnen, an die ich mich anlehnen kann, wenn ich traurig bin und denen ich Dinge erzählen kann, von denen ich (logischerweise) weiß, dass sie sie nicht weitererzählen. Ich weiß aber dennoch, dass es Hunde sind und bleiben.

Meine Geduld und jegliches Verständnis ist aber am Ende, wenn andere Hundebesitzer ihre Tiere als “ihre Kinder” bezeichnen und sie sich selbst als “ihre Eltern” sehen. Die armen Tiere werden verhätschelt und wie kleine Püppchen behandelt. Natürlich werden sie auch in kleine Hunde-Mäntelchen gesteckt, weil sie im Winter ja frieren könnten. Die armen kleinen Yorkshire-Terrier oder Chihuahuas werden dann noch demonstrativ durch die Gegend getragen, damit sie sich nicht ihre frisch frisierten und manikürten Pfötchen schmutzig machen. Hört man sie mit ihrem Hund reden, klingt es, als würden sie mit ihrem Kind sprechen. Schlimmer noch: Wenn sich Herrchen oder Frauchen im Sommer ein Eis holt, teilen sie es sich natürlich mit ihrem Hund. Abwechselnd wird dann die Kugel vom Hörnchen geschlabbert. Ich habe ja wirklich keine Scheu oder Ekel vor Hundesabber, aber DAS ist für mich der absolute Gipfel. Und als ob das nicht reicht, wird das gemeinsame Leben minutiös bei Facebook breit getreten.

Lasst die Hunde Hunde sein!

Es mag für viele überraschend sein, aber ein Hund hat “leibliche” Eltern. Er hat irgendwann das Licht der Welt erblickt, hatte eine richtige Mutter, die sich um ihn gekümmert hat und einen kleinen Haufen Geschwister, durch die er die Grundlagen von Sozialverhalten innerhalb seiner Artgenossen erlernt hat. Nach einigen Wochen hat er das verinnerlicht und kommt in die Obhut einer meist neuen Familie. Diese hat die Aufgabe, sich um den Hund zu kümmern und ihn zu erziehen, damit der Umgang mit ihm einfacher wird - was nicht zuletzt auch Spaß machen soll, sowohl für den Hund, als auch für Herrchen und Frauchen.

Lasst die Hunde Hunde sein und hört auf, ihm seine Wilden Eigenschaften wegzunehmen und ihm humane Verhaltensweisen aufs Fell drücken zu wollen. Ein Hund ersetzt kein Kind. Hört damit auf, diesen Umstand durch einen vermenschlichten Hund zu kompensieren. Geht mir dem Hund spazieren, lasst ihn laufen, toben, rennen, ihn mit Artgenossen spielen und genießt, dass der Hund so anders und frei von menschlichen Zügen und Zwängen ist. Lasst euch von ihm und seinem Wesen inspirieren, statt die Rolle eines Menschen auf ihn zu projezieren. Ich bin mir sicher, dass ein Hund kein Mensch sein will. Ihr wollt schließlich auch nicht wie ein Tier behandelt werden.

Und wenn ich jemals wieder eine ältere Dame und einen kleinen Hund sehe, die sich die selben Eiskugeln teilen, RASTE ICH AUS!